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2 Warum Ginnheim? Jan Gerchow Direktor des historischen museums frankfurt Warum geht ein Museum in einen Stadtteil? Das historische museum frankfurt hat ja im Sommer 2012 seine historischen Bauten wieder be- zogen und verfügt dort über Ausstellungsfläche. Es gehört aber zum neuen Konzept des historischen museums , dass es in die Stadtteile geht und dort Themen präsentiert. Themen, die viel „dichter“ an den Stadt- bewohnern dran sind als die klassischen Museumsausstellungen. Dafür suchen wir nicht nur die Stadtteile auf, sondern suchen auch die Ko- operation mit Akteuren und Initiativen in den Stadtteilen. Sie sind es, die uns die Themen dieser Ausstellungen vorschlagen, und sie sind bereit, dafür viel Zeit und Arbeit zu investieren, denn sie werden damit zu Ausstellungskuratoren/innen auf Zeit und können ihre Perspektiven mit uns zusammen einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Das Museum betritt damit Neuland: Die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Museumsarbeit ist zwar seit einigen Jahren viel diskutiert, wird aber bisher kaum praktiziert. Das historische museum beteiligt damit die Stadtbevölkerung nicht nur an der Ideenfindung und an Teilen der Konzeption oder Produktion einer Ausstellung, viel- mehr wird das ganze Projekt von der Definition des Themas über die Konzeption und Recherche bis zur Produktion gemeinsam mit den „Stadtexperten“ durchgeführt. Eine Besonderheit kommt noch hinzu: Die Ausstellungen werden sogar „vor Ort“, also in den Stadtteilen, in denen die Themen und die Akteure selbst angesiedelt sind, installiert und präsentiert. In dieser Konsequenz ist das ein Novum, zumindest im deutschsprachigen Raum. Das historische museum frankfurt hat das Stadtlabor unterwegs im Jahr 2011 ins Leben gerufen: Als Reaktion auf den Abriss des „Betonbaus“ am Römerberg, und zugleich als Erprobung und Vorbereitung des neu- en Stadtlabors im geplanten Neubau haben wir uns damals entschlossen, bis zur Fertigstellung des Neubaus (geplant für 2016) in die Stadtteile zu gehen, mit einer Ausstellung pro Jahr. So können wir Erfahrungen mit diesem neuen Modus der Museumsarbeit sammeln und zugleich einen Kreis von „Stadtlaboranten“ um das Museum versammeln, der uns später hilft, das Stadtlabor im neuen Museumsbau erfolgreich zu

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